News Single
04. Juni 2014
Vorstand
Autor: Christoph Hartmann
Statement zum geplanten Gesetzespaket "Lebensversicherung"

“Sie werden jetzt von uns natürlich auch ein paar Sätze hören wollen zum geplanten Gesetzespaket der Bundesregierung zur Lebensversicherung. Und es ist ja in den letzten Tagen schon einiges dazu geschrieben worden.

Wir sehen als Provinzial Rheinland insgesamt Licht und Schatten – und Halbschatten.

Bewertungsreserven
Zunächst zu den Bewertungsreserven: Wir begrüßen natürlich auch, dass man die Regelungen für festverzinsliche Papiere hierfür nun endlich ändern will. Das ist überfällig und geht in die richtige Richtung. Denn damit wird endlich der Zustand beendet, dass ausscheidende Kunden besser gestellt werden als Kunden, deren Vertrag noch einige Zeit läuft. Und es beendet die groteske Situation, dass die Lebensversicherer ausgerechnet in Zeiten niedriger Zinsen und verminderter Kapitalerträge hohe Reserven ausschütten müssen, die ökonomisch tatsächlich nicht vorhanden sind. Mit der Neuregelung wird sichergestellt, dass an Versicherungsnehmer nur die Bewertungsreserven ausgeschüttet werden, die ökonomisch auch tatsächlich da sind. Damit verbleiben mehr Risikopuffer, und die Versichertengemeinschaft profitiert insgesamt!

Ausschüttungssperre
Ordnungspolitisch ist dieser Eingriff in die Gewinnverwendung eines Unternehmens abzulehnen.

Rein praktisch können wir mit der im Paket vorgesehenen Ausschüttungssperre aber gut leben. Denn die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG hat noch nie an ihre Eigentümer ausgeschüttet. Das heißt, bei uns profitieren die Kunden traditionell voll und ganz von den erwirtschafteten Überschüssen – ein echter Vorteil für unsere Leben-Kunden! Sie haben ja gerade eben von Herrn Dr. Tesarczyk gehört, dass bei uns der Kompositversicherer für die Ausschüttung zuständig ist. Im Übrigen erwirtschaften wir so auch unser Eigenkapital selbst und halten es im Unternehmen.

Garantiezins
Anfreunden können wir uns auch mit der zeitnahen Absenkung des Rechnungszinses von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent. Wir würden es aber sehr begrüßen, wenn in der öffentlichen Diskussion (auch in der Medienberichterstattung) mehr zum Ausdruck käme:

  1. Für Bestandskunden ändert sich dadurch nichts. Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages.
  2. Und am Ende des Tages ist nicht der Garantiezins entscheidend für die künftige Attraktivität von Leben-Produkten, sondern die gesamte Verzinsung incl. Überschüssen. Und die liegt in der Lebensversicherung immer noch deutlich über der Verzinsung anderer Anlageformen. Und Sie haben – je nach Produkt – noch Risikoschutz obendrauf!

Absenkung des Höchstzillmersatzes
Grundsätzlich haben wir auch kein Problem damit, über andere Regelungen bei den Abschlusskosten oder Provisionen nachzudenken. Wichtig ist aber hierbei, die Vermittler mitzunehmen. Der Gesetzgeber sieht in seinem Paket eine Senkung des Höchstzillmersatzes von 40 auf 25 Promille vor. Damit würden einseitig die bilanziellen Grundlagen für den Versicherer geändert, ohne dass dieser die Möglichkeit hat, die langfristigen Verträge mit seinen Vertriebspartnern anzupassen. Dafür brauchen wir aber Zeit!

Ausweis der Provisionen
Kritisch sehen wir auch den Ausweis der Provisionen. Wir weisen heute schon die gesamten Abschluss- und Verwaltungskostenkosten in Euro und Cent aus. Wichtig ist doch, welche Kosten insgesamt mit dem Produkt verbunden sind und wie sich das auf die Rendite auswirkt. Ein Ausweis der Abschlussprovisionen sehen wir dagegen nicht als Mehrwert, sondern er würde die Kunden eher verwirren – zumal Provisionen nur einen Teil der Abschlusskosten darstellen. Am aussagekräftigsten halten wir den Ausweis der Renditeminderung in Prozent.

Warum von der Neuregelung auch noch die Schaden-/Unfallversicherer getroffen werden sollen, wissen die Götter! Hier werden ohne Not Belastungen für Vermittler draufgesattelt.

Risikoüberschüsse
Sehr kritisch sehen wir die Erhöhung der Mindestbeteiligung am Risikoüberschuss von 75 Prozent auf 90 Prozent. Das bringt den Kunden gar nichts, es schadet ihnen eher. Das klingt zwar paradox. Aber zum einen bekommen die Kunden bei uns schon heute mehr als 90 Prozent der Risikoüberschüsse. Zum anderen zwingt uns diese Regelung, wegen Solvency II mehr Kapital vorzuhalten, das dann nicht für die Überschussbeteiligung für die Versicherten zur Verfügung steht.

Also der Gesetzgeber muss schon wissen, was ihm an dem Punkt lieber ist. Mehr Geld für die Versicherten oder optisch mehr Sicherheit für die Versicherungen?

Fazit
Also noch mal: Insgesamt gibt es in dem geplanten Paket Licht, aber auch einigen Schatten für uns. Wir hoffen deshalb, dass im anlaufenden Gesetzgebungsverfahren einiges noch mal ausgepackt, nachjustiert und wieder eingepackt wird. Dabei wünschen wir uns vor allem eine sehr schnelle Konkretisierung der einzelnen Paketinhalte, denn die Änderungen stellen für uns ja auch jede Menge technischer Herausforderungen dar.”

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