News Single
04. Juli 2014
Vorstand
Autor: Christoph Hartmann
"Gut für den Kunden"

Herr Schaefers: Was sagen Sie zum nun verabschiedeten LVRG?

Für unsere Kunden sind die neuen Regelungen insgesamt erst mal gut!

Warum?

Weil vor allem die neue Regelung zur Verteilung der Bewertungsreserven ein fairer Interessensausgleich zwischen  den Kunden ist. Kunden, deren Vertrag noch einige Zeit läuft, werden endlich nicht mehr schlechter gestellt. In Zukunft werden weiterhin tatsächlich vorhandene Reserven ausgeschüttet, aber keine Scheingewinne mehr! Und davon profitiert die gesamte Versichertengemeinschaft – nicht nur langfristig sondern sofort.

Was ist mit der Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent?

Für Bestandskunden ändert sich damit gar nichts. Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages. Und Neukunden kann man sagen: Am Ende ist nicht der Garantiezins ausschlaggebend, sondern für die Attraktivität von Leben-Produkten zählt  die gesamte Verzinsung inklusive der Überschüsse. Dabei ist die Verzinsung der Lebensversicherung deutlich besser als bei anderen Anlageformen. Und – je nach Produkt – hat man einen Risikoschutz!

Wird das Geschäftsmodell der Lebensversicherung nun gestärkt oder eher geschwächt?

Die Säulen, auf denen die Lebensversicherung ruht, sind damit wieder stärker geworden.

Dann kann sich die Branche ja freuen, oder?

Das würde ich so auch nicht sagen, denn die Welt wird für den Vertrieb anspruchsvoller.

Was heißt das konkret?

Zunächst: Die Diskussion um die Lebensversicherung wird wohl auch durch das LVRG nicht abflauen. Sie dürfte es in den Medien weiterhin nicht einfach haben. Das ist umso ärgerlicher, weil der Bedarf an Altersvorsorge eher steigt und insbesondere bei niedrigen Zinsen die Rentenversicherung unschlagbare Vorteile bietet. Aber es gibt auch im LVRG ein paar Regelungen, die besondere Bauchschmerzen bereiten.

Welche sind das?

Mit Blick auf den Vertrieb gehört dazu bei den Abschlusskosten die Absenkung des sogenannten Höchstzillmersatzes von 40 auf 25 Promille. Damit werden nun die bilanziellen Grundlagen für die Versicherer einseitig geändert. Oder einfacher formuliert: Der Gesetzgeber fordert von der Assekuranz die Deckelung der Provisionen und damit eine Reduzierung der Kosten – und überlässt es den Unternehmen, wie sie das vertraglich mit ihren Vertriebspartnern umsetzen können.

Klingt schwierig!

Ja, dafür brauchen wir Lösungen, die Unternehmen und Vertriebspartner zu tragen bereit sind. Und dafür brauchen wir auch ausreichend Zeit!

Kosten und Provisionen scheinen sehr auf der Agenda des Gesetzgebers zu stehen.

Ja, aber nun ist im Gesetz der Kostenausweis sachgerecht angepasst worden. Der isolierte Ausweis der Provisionen hätte den Wettbewerb verzerrt, weil das für einen vernünftigen Vergleich zwischen den Vertriebswegen irreführend gewesen wäre. Stattdessen werden künftig die Kosten aufzuführen sein, die den Vertrag effektiv belasten, neudeutsch die sogenannte Reduction in yield, sprechender die Renditeminderung in Prozent.

Was heißt das für die Provinzial Rheinland?

Grundsätzlich ist die Provinzial Rheinland Lebensversicherung beim Thema Kosten sehr gut aufgestellt. Also bei der Renditeminderung werden wir keinen Vergleich scheuen müssen.

Welche Bauchschmerzen haben Sie denn sonst noch?

Schwer zu kauen hat die Branche an der Neuregelung der Risikoüberschüsse. Künftig werden 90 statt 75 Prozent der Risikoüberschüsse den Kunden gutzuschreiben sein, wobei wir schon seit langem den Kunden deutlich mehr als 90 Prozent gutschreiben.

Wo liegt denn dann das Problem?

Ja, das klingt paradox. Aber diese neue Regelung zwingt uns, aufgrund von Solvency II mehr Kapital vorzuhalten, was dann für die Überschussbeteiligung für die Versicherten nicht mehr zur Verfügung steht. Das ist falsch verstandener Verbraucherschutz. Ich kann Kunden nicht mehr Geld zusagen – und gleichzeitig die Sicherheit der Unternehmen erhöhen wollen.

Stellt auch die Ausschüttungssperre für die Provinzial Rheinland ein Problem dar?

Nein, damit können wir gut leben. Denn der Lebensversicherer hat trotz guter Ergebnisse noch nie an die Eigentümer ausgeschüttet. Die Kunden profitieren hier voll und ganz von unseren erwirtschafteten Überschüssen. Das ist ein echter Vorteil für die Kunden. Ordnungspolitisch ist eine Ausschüttungssperre aber schon ein Problem – gerade in dieser Ausgestaltung, weil sie vermutlich über viele Jahre wirkt. Wie will man private Kapitalgeber ermuntern, in die Branche zu investieren, wenn Dividenden auf absehbare Zeit nicht möglich sind?

Herr Schaefers, Hand aufs Herz. Ist die private Lebens- und Rentenversicherung weiter lohnend?

Gegenfrage: Nennen Sie mir eine Alternative mit dieser Sicherheit und dieser Flexibilität? Mit dem Gesetz ist die Lebensversicherung wieder gestärkt worden. Natürlich bewegen wir uns mit unserem Geschäft weiter in einer schwierigen Welt. Aber was sollen erst die staatlichen Sicherungssysteme sagen? Ohne zusätzliche private Altersvorsorge wird es nicht gehen. Die Lebensversicherung hat daher auch mit dem LVRG weiterhin eine gute Zukunft!

 

Das LVRG im Überblick
BewertungsreservenHöchstzillmersatzRisikoüberschüsse
Die Bewertungsreserven werden künftig wieder fairer zwischen ausscheidenden und verbleibenden Kunden verteilt.In Ihrer Bilanz dürfen Lebensversicherer statt maximal 40 Promille der Beitragssumme nur noch 25 Promille geltend machen.Künftig müssen mindesten 90 statt 75 Prozent davon den Kunden gut geschrieben werden.
GarantiezinsEffektivkostenAusschüttungssperre
Er wird von 1,75 auf 1,25 Prozent reduziert.Sie sind bei Abschluss von Neuverträgen den Kunden mitzuteilenKünftig darf nur dann ein Bilanzgewinn an die Eigentümer ausgeschüttet werden, wenn der Gewinn größer ist als der sogenannte Sicherungsbedarf.

 

 

 

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