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13. August 2019
Autor: Natascha Schmidt
Verkehrswende auf kleinen Rädern?

In diesen Tagen rollen die ersten E-Scooter zum Leihen durch deutsche Städte. Seit Mitte Juni ist eine Zulassung solcher Elektrokleinstfahrzeuge mit Versicherungskennzeichen möglich – die meisten Hersteller müssen für ihre Modelle aber noch jeweils eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) beim Kraftfahrt-Bundesamt beantragen. Erst die Zulassung erfolgt ist, kann auch der Verkauf an Privatpersonen über Händler oder im Onlinehandel beginnen. Käufer müssen sich aber zunächst noch eine Haftpflichtversicherung besorgen.

Befürworter der neuen E-Scooter – auch als E-Tretroller bezeichnet – sehen diese als sinnvolle Alternative zum Auto. Sie sollen einen wichtigen Beitrag zur Überbrückung der sogenannten „letzten Meile“ leisten und die Menschen vor allem in Großstädten zum Verzicht auf das Auto bewegen. Viele Verkehrsexperten warnen jedoch: Insbesondere in der Anfangsphase werden sich die Verkehrsteilnehmer noch nicht an die neuen Kleinstfahrzeuge gewöhnt haben, was zu Unfällen führen kann. Aufgrund der geringen Größe der E-Scooter könnten diese im Straßenverkehr noch leichter als Fahrräder übersehen werden, gleichzeitig aber auch zu einer Gefahr für Fußgänger werden. Ebenso haben sich die Fahrer von E-Scootern noch nicht an die besonderen Fahreigenschaften ihres Gefährts gewöhnt. Die Kombination aus einem hohen Lenker und kleinen Rädern, die auf jede Unebenheit im Fahrbahnbelag reagieren, gilt unter Experten als brisant. Schon eine falsche Gewichtsverlagerung beim Bremsen kann zum Sturz über die Lenkstange führen. Eine Helmpflicht besteht zwar nicht, doch viele Experten empfehlen diesen Schutz.

Haftpflichtversicherung ist ein Muss

Wer sich einen E-Scooter mit ABE kauft, muss sich auch um die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung kümmern. Als Nachweis erhält der Versicherungsnehmer eine selbstklebende Plakette, die am Schutzblech des Hinterrades zu befestigen ist. Wir empfehlen darüber hinaus aber auch eine Kaskoversicherung, die Schäden am eigenen zum Teil recht teuren E-Scooter ersetzt sowie bei Diebstahl einspringt. Zudem ist empfehlenswert, dass Fahrer für sich selbst eine Unfallversicherung abschließen.

Fahrer nicht zugelassener E-Scooter machen sich strafbar

Zu einem Problem werden bereits verkaufte E-Tretroller ohne ABE, die nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind und keine Versicherungsplakette erhalten können. Der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge schätzt, dass bereits bis zu 250.000 dieser nicht zugelassenen E-Scooter in Deutschland unterwegs sind. Eine Nachrüstung ist zumeist weder technisch möglich, noch wirtschaftlich sinnvoll zu bewerkstelligen. Deshalb haben einige Anbieter inzwischen mit einer Umtauschaktion für ältere E-Scooter begonnen. Fakt ist: Wer mit einem E-Scooter ohne ABE und Versicherungsschutz im öffentlichen Raum unterwegs ist, macht sich strafbar und riskiert empfindliche Geldbußen von mehreren Hundert Euro. Angesichts der öffentlichen Sicherheitsdebatte müssen Nutzer damit rechnen, dass die Polizei vielerorts genauer hinschaut. Wer dann noch einen Unfall verursacht, kann wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft werden, was sogar Freiheitsentzug nach sich ziehen kann.

E-Scooter sind kein Spielzeug und mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) gibt es klare Regeln, die man als Nutzer kennen und befolgen muss. Welchen Beitrag diese Fahrzeuge tatsächlich zur Verkehrswende leisten werden, lässt sich erst in einiger Zeit abschätzen. Von zentraler Bedeutung für die Einführung von E-Tretrollern auf deutschen Straßen ist aber der Versicherungsschutz. 

Das müssen Sie beachten, wenn Sie einen E-Scooter kaufen:

Gesetzliche Vorgaben:

  • Amtlich zugelassen werden nur Modelle mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h
  • Abmessungen: max. 70 Zentimeter breit, max. 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang
  • Ausstattung: Lenk- oder Haltestange, zwei unabhängig wirkende Bremsen, Beleuchtung, Glocke

Besondere Verkehrsregeln:

  • Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein
  • Keine Führerscheinpflicht
  • Fahren ist auf Radwegen erlaubt, auf Gehwegen hingegen verboten. Ist kein Radweg vorhanden, muss auf die Straße gewechselt werden
  • Anders als bei Fahrrädern oder E-Bikes gelten für E-Scooter die strengeren Promillegrenzen für Kraftfahrzeuge. Für Fahranfänger gilt die 0,0-Promillegrenze, für alle anderen Fahrer sind maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut erlaubt. Sonst drohen Bußgeld und Fahrverbot.

Vor der Fahrt

  • Versicherungskennzeichen besorgen
  • Die Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, wir empfehlen allerdings auch eine Kaskoversicherung für Schäden am eigenen Gefährt sowie eine Unfallversicherung.

 

 

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