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15. Juni 2018
Ratgeber
Autor: GDV / Anna Braß
Sieben auf einen Streich!

Vielen Themen hängt der Duft von Mythos an. Auch in Sachen „Versicherungsschutz bei Naturgefahren“ kursieren allerhand Vermutungen und falsche Annahmen. Wir stellen euch hier sieben Irrtümer vor – und erzählen euch das wahre, das realistische Fundament.

Für mein Haus ist kein Versicherungsschutz möglich.

Eine weit verbreitete Meinung, die so gut wie immer falsch ist: Manche Häuser ließen sich nicht oder nur sehr schwer gegen Überschwemmung durch Hochwasser versichern. Fakt ist: Es gibt kaum Häuser, bei denen Versicherungsschutz unmöglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. 99 Prozent der Gebäude in Deutschland können gegen Naturgefahren versichert werden. Selbst Häuser, die in der Vergangenheit keinen Versicherungsschutz bekamen, können heute durch eine verbesserte Risikoanalyse, mehr Hochwasserschutz oder auch bauliche Präventionsmaßnahmen versichert werden. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz aus 2015 bestätigt, dass das Angebot an Versicherungsschutz für sogenannte Elementarschäden umfangreich ist – auch für Häuser mit Vorschäden. Steht euer Heim in einer risikoreichen Gegend, nehmt Kontakt zu eurem Wohngebäudeversicherer. Gemeinsam findet ihr bestimmt eine individuelle Lösung.

Nach Unwettern wird es schwierig, eine Versicherungspolice zu erhalten.

Die Statistik der Versicherer zeigt, dass gerade nach großen Schadenereignissen mehr Menschen ihr Haus versichern. Beispiel Sachsen: In dem vom Hochwasser im Juni 2013 am stärksten betroffenen Bundesland, waren damals 42 Prozent der Häuser versichert. Nur zwei Jahre danach waren es bereits 46 Prozent. Auch bundesweit ist dieser Trend zu beobachten: Noch 2002 waren lediglich 19 Prozent der Haushalte gegen Hochwasser und Starkregen versichert, in 2015 dagegen schon knapp 40 Prozent. Auch in der höchsten Risikozone ist in Deutschland jedes vierte Haus gegen Hochwasser versichert – in allen Risikozonen ist mehr möglich, wenn das Bewusstsein der Menschen für Naturgefahren wie Überschwemmung ausgeprägter wäre.

Mein Haus ist nicht gefährdet, ich wohne weit weg vom Wasser.

Viele Menschen gehen etwa davon aus, dass nur Hausbesitzer mit direktem Blick auf Elbe, Donau oder Rhein von einer Überschwemmung betroffen sein können. Auch Wetter-Phänomene wie Tornados, massiver Regen oder Hochwasser nehmen in Deutschland zu. Fakt ist: Bei der Flut 2013 entstanden 85 Prozent der versicherten Schäden abseits der großen Flüsse – also eben genau nicht an den Häusern mit Flusslage.

Versicherungsschutz gegen Elementarschäden ist teuer.

Das hängt natürlich von eurer persönlichen Einschätzung, euren Präferenzen sowie eurer Risikosituation ab. Fakt ist: Häufig kostet einen Elementarschadenversicherung deutlich weniger als eine durchschnittliche Vollkasko-Versicherung für das Auto. Dabei stellt der Verlust des Eigenheims für viele Bürger das existenzbedrohende Risiko schlechthin dar. Und wenn die Prämie in besonders risikoreichen Zonen doch einmal höher liegt als die einer Vollkasko-Police? Es geht hier nicht um ein paar Beulen im Auto, sondern um die Existenz der Eigenheimbesitzer – um mehrere hunderttausend Euro, teilweise sogar um Millionen.

Elementarschadenversicherung gibt es nur mit hoher Selbstbeteiligung.

Selbstbeteiligungen sind wie bei vielen Arten von Versicherungen auch bei der Elementarschadenversicherung möglich und manchmal sogar zwingend. Auch hier gilt es, die Höhe möglicher Selbstbeteiligungen in der richtigen Relation betrachten. Wenn Prämien bezahlbar bleiben sollen und es darum geht, eure Existenz abzusichern, kann es geradezu geboten sein, die Selbstbeteiligung einer Elementarschadendeckung auch an diesen Prämissen auszurichten. Die Elementarschadenversicherung leistet bis zum Ersatz eines gesamten Hauses. Würde das Prinzip Vollkasko stets und für jeglichen Fall mit minimalen Selbstbeteiligungen gelten, würde das die Prämie unbezahlbar machen. Das wäre nicht in eurem Interesse.

Ich bin gegen Naturgefahren versichert, weil ich schon eine Wohngebäudeversicherung habe.

Eine Wohngebäudeversicherung deckt viele Gefahren ab, darunter fallen etwa Brände, Blitzeinschläge, Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschäden. Nicht alle Wohngebäudeversicherungen decken aber Schäden durch Starkregen oder Hochwasser ab. Dafür leistet die Wohngebäudeversicherung nur dann, wenn darin auch die Elementarschadenversicherung vereinbart wurde.

In Deutschland sind etwa 40 Prozent aller Wohngebäude gegen weitere Elementargefahren wie Hochwasser versichert – eine relativ niedrige Quote. Zum Vergleich: Über die Wohngebäudeversicherung haben rund 90 Prozent aller Gebäude finanziellen Schutz vor Sturm- und Hagelschäden. Wenn ihr heute eine Wohngebäudeversicherung abschließt, bekommt ihr in der Regel gleich einen Elementarschutz automatisch mit angeboten. Ihr habt dann die Möglichkeit, diesen abzuwählen. Bei bestehenden Verträgen solltet ihr eure Verträge auf den Elementarschutz hin prüfen und euch im Zweifelsfall an euren Versicherer wenden.

Wozu versichern? Im Ernstfall wird mir der Staat helfen.

In Sachen Unwetter- und Hochwasserrisiken verlassen sich die Deutschen gerne auf Vater Staat. Die Vergangenheit gibt ihnen mit dieser Einschätzung auch scheinbar recht: Bei den beiden großen Hochwassern in den Jahren 2002 und 2013 hat der Staat tatsächlich zahlreiche Schäden beglichen. Von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen, ist jedoch problematisch – aus zwei Gründen. Erstens: Zahlreiche Landesregierungen knüpfen staatliche Zuschüsse daran, ob sich die Betroffenen um Versicherungsschutz bemüht haben. Sie müssen nachweisen, dass sie tatsächlich keinen Elementarschutz für ihr Gebäude bekommen konnten. Zweitens: Frühere staatliche Hilfen waren freiwillig. Sie begründen keinen rechtlichen Anspruch auf Hilfen in der Zukunft. Nur die Elementarschadenversicherung ist im Ernstfall verpflichtet, gegenüber dem versicherten Bürger bei einem Hochwasser zu leisten – der Staat hingegen nicht.

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