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30. Mai 2018
Ratgeber
Autor: GDV / Anna Braß
Schutz bei Unwettern & Co

Sie dominieren aktuell die Wetterlage in Deutschland: Unwetter mit teils verheerenden Folgen. Ob Starkregen, Böen oder Hagel: Die diesjährigen Frühsommer-Gewitter bringen extreme Wetterphänomene mit sich. Regional bzw. lokal schlugen die Unwetter mitunter mit  besonderer Intensität nieder. So hatten beispielsweise in dieser Woche Aachen und Wuppertal mit enormen Niederschlägen zu kämpfen. Teilweise fiel in kürzester Zeit so viel Regen wie ansonsten in einem Monat. Deutschland ist momentan also sozusagen Unwetter-Land.

Aber: Der Frühsommer ist bekanntlich auch eine Zeit der Unwetter. In den nächsten Wochen stehen auf dem Blog daher Themen rund um Naturgefahren und Versicherungsschutz auf dem Programm – damit ihr für den Fall der Fälle gut gerüstet seid.

Mit Versicherungsblick: Was ist eigentlich eine Naturgefahr?

Vollgelaufene Keller, abgedeckte Dächer, zerbeulte Autos: Die Natur kann unser Hab und Gut schwer in Mitleidenschaft ziehen - sei es durch Starkregen, Stürme oder Hagelschauer. Doch nicht alle Risiken sind immer mitversichert.

Naturkatastrophe ist nicht gleich Naturkatastrophe – zumindest wenn es um den Versicherungsschutz geht. Denn ob ein Starkregen oder ein Sturm das Haus beschädigt, ist für die Frage nach der finanziellen Entschädigung sehr wohl relevant.

So leistet eine Wohngebäudeversicherung, die für Schäden am Haus aufkommt, im Regelfall nur bei Sturm, Blitz oder Hagel. Vor allem, wenn es sich um eine ältere Police handelt. Sie zahlt beispielsweise, wenn ein Orkan das Dach abdeckt. Ähnlich ist es bei der Hausratversicherung, die kaputt gegangenes Mobiliar ersetzt. Auch sie begleicht im Normalfall nur Schäden, die durch Sturm, Blitz und Hagel entstanden sind.

Daneben gibt es die erweiterten Naturgefahren – auch Elementarrisiken genannt. Dazu gehören u. a. Hochwasser, Starkregen, Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch und Erdfall sowie Erdbeben. Wenn ihr euer Haus oder Inventar auch dagegen absichern wollt, braucht ihr den erweiterten Naturgefahrenschutz (Elementarschadenversicherung). Diesen gibt als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. Eigenheimbesitzer und Mieter sind dann auch vor Zerstörungen gefeit, die auf Überschwemmungen durch Starkregen oder Hochwasser zurückgehen.

Wohngebäude- und Hausratversicherung decken standardmäßig folgende Risiken ab:

  • Sturm: Vom Sturm abgedeckte Dachziegel, beschädigte Fassaden und zerbrochene Fensterscheiben: Wenn das Haus oder seine Nebengebäude durch Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurden, leistet immer die Wohngebäudeversicherung. Schäden an Möbeln oder Einrichtungsgegenständen übernimmt die Hausratversicherung. Als Sturm gilt Wind ab Windstärke 8. Das entspricht 62 km/h.
  • Hagel: Durchschlägt ein Hagelkorn das Hausdach, kommt die Wohngebäudeversicherung für die Reparatur anstandslos auf.
  • Blitzschlag: Zerstört ein Blitzschlag zum Beispiel die Elektroinstallation des Hauses, ist das ein Fall für die Gebäudeversicherung. Auch ein Feuerschaden infolge eines Blitzeinschlags ist standardmäßig mitversichert. Die Hausratversicherung springt ein, wenn angeschlossene Geräte (z. B. Fernseher) infolge eines Blitzeinschlags beschädigt werden.

Baustein "erweiterte Naturgefahren / Elementarschäden": Der Rundumschutz

  • Hochwasser: Die erweiterte Naturgefahrendeckung zur Wohngebäudeversicherung schützt Hauseigentümer vor Hochwasserschäden. Die Versicherung kommt für Reparaturen im und am Gebäude auf, bezahlt die Trockenlegung und übernimmt – falls nötig – auch die Kosten für den Abriss und Wiederaufbau des Hauses. Zerstörte Möbel sind eine Sache für die Hausratversicherung mit erweitertem Naturgefahrenschutz. Die Police übernimmt die Reparaturkosten für das gesamte beschädigte Inventar und erstattet den Wiederbeschaffungspreis, wenn das Hab und Gut komplett zerstört wurde.
  • Starkregen: Versichert sind mit der erweiterten Naturgefahrenversicherung auch Schäden durch Starkregen. Wird das Grundstück überschwemmt und läuft der Keller nach einem Wolkenbruch voll, trägt der Versicherer beispielsweise die Kosten für das Abpumpen und die Trockenlegung. Schäden am Inventar sind über den Zusatzbaustein in der Hausratversicherung abgedeckt. Der Zusatzschutz leistet auch bei Rückstau nach einer Überschwemmung, also wenn bei einer Überlastung der Kanalisation Wasser durch die Ableitungsrohre in das Haus gelangt.
  • Schneedruck: Wenn starker Schneefall sich zum Beispiel auf einem Flachdach ablagert, kann das Gewicht der Schneemassen das Dach im Extremfall zum Einsturz bringen. Gegen solche Schäden durch Schneedruck sichert ebenfalls die erweiterte Naturgefahrenversicherung ab. Geht dabei auch Inventar dabei zu Bruch, leistet der Zusatzbaustein in der Hausratversicherung.
  • Erdrutsch und Erdfall: Wenn die Erde sich bewegt, können Häuser schweren Schaden nehmen. Vom Riss in der Fassade bis zum Einsturz: Schäden durch Erdrutsch oder Erdfall sind nur mit der erweiterten Naturgefahrendeckung versichert. Das Inventar ist über den Zusatzbaustein in der Hausratversicherung geschützt.
  • Erdbeben: Auch Deutschland ist Erdbebengebiet. Zwar sind diese Erdstöße nicht so häufig und stark wie zum Beispiel in Japan, doch trotzdem können auch diese Beben schwere strukturelle Schäden an Gebäuden verursachen. Auch dagegen schützt die erweiterte Naturgefahrenversicherung. Sollte bei einem Erdbeben Inventar zu Bruch gehen, leistet die erweiterte Naturgefahrenversicherung in der Hausratversicherung.

Versicherungsschutz für Autofahrer

Etwas anders ist die Absicherung von Naturgefahren in der Kfz-Versicherung geregelt. Die Teilkaskoversicherung bietet euch Schutz vor Sturm, Hagel und Blitz sowie vor Überschwemmung. Wird das Fahrzeug beispielsweise von einer Flut mitgerissen und komplett zerstört, zahlt der Versicherer den Wiederbeschaffungswert (oder bei neueren Autos je nach Vertrag sogar den Neupreis).  Mit einer Vollkaskoversicherung haben Autofahrer den Teilkasko-Schutz ebenfalls inklusive.

Ausnahmen sind jedoch Lawinen, Erdrutsch und Erdsenkung: Wer sein Auto gegen die eher seltenen Naturgefahren versichern möchte, braucht oft einen Extraschutz. Manche Versicherer haben diesen aber ihren Tarifen mitversichert.

Was ist nach einem Schaden zu tun?

Informiert euren Versicherer: Um zügig an das Geld zu kommen, solltet ihr Schäden so schnell wie möglich eurem Versicherer melden. Das sollte unbedingt erfolgen, bevor Aufträge an Handwerksbetriebe vergeben werden.

Haltet Schäden gering: Direkt nach einem Unwetter sollte der Schaden so gering wie möglich gehalten werden. Zerstörte Fenster können provisorisch abgedichtet werden, um das weitere Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Herumliegende Gegenstände, wie abgebrochene Äste, Dachziegeln oder Dachrinnen, sollten möglichst weggeräumt werden.

Riskiert nichts: Nichts ist so wertvoll wie eure Leben oder das Leben Anderer. Riskante Rettungsversuche sollten unbedingt vermieden werden, um Hab und Gut zu sichern.

Dokumentiert/ belegt den Schaden: Ihr solltet den Schaden sollte möglichst anhand von Fotos und Kaufbelegen dokumentieren und so schnell wie möglich eurem Versicherer melden.

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